Ausflug zur Leipziger Buchmesse 2026 (von A. Hänisch)
Vor Jahren entstand an der Sachsenwald-GS meine Idee, mit Kindern der 5. und 6. Klassen zur Leipziger Buchmesse zu fahren, um den pädagogischen Auftrag „Lesen“ ganz selbstlos zu unterstützen. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte wollten nämlich schon immer gern zur Buchmesse – aber während der Schulzeit bekommt man ja bekanntlich nicht frei. Also lag die Lösung nahe: wir machen einfach gemeinsam einen Ausflug. Gesagt, getan: Bus organisiert, interessierte Kinder eingesammelt, Geld kassiert und Kolleginnen und Kollegen überzeugt mitzukommen. Zeitweise waren wir mit bis zu 80 Kindern unterwegs, unterstützt auch vom Förderverein der SWGS – vielen Dank an dieser Stelle.
Auch diesen Jahr wollten wir wieder teilnehmen. Spontan hat Frau Britt die Organisation übernommen, Frau Keller war ebenfalls begeistert dabei, und ich durfte als „erfahrene Unterstützung“ mitfahren.
Am Freitag, dem 20.03.2026, trafen sich um 7:45 Uhr am Lauenburger Platz 31 Kinder aus den 5. und 6. Klassen, Frau Britt, Frau Keller sowie zwei weitere „reife Herren“ aus meinem Freundeskreis. Ich selbst lebte dabei wieder ganz in meiner alten Lehrerrolle auf.
Um 8 Uhr kam der Bus – und kurz darauf die Polizei, die den Bus gründlich kontrollierte. Ergebnis: ein Ölschaden, der Bus durfte nicht fahren. So standen wir also morgens bei frischer Luft mit 36 Personen am Lauenburger Platz und wollten zur Buchmesse. Man hätte sich jetzt aufregen können – oder es halten wie Buddha, Konfuzius oder vielleicht auch ich: Sich über Dinge zu ärgern, die man nicht ändern kann, bringt wenig. Also entschieden wir uns für Gelassenheit und waren sogar ein bisschen froh, vielleicht einer Panne entgangen zu sein. Dank der Beziehungen einer Mutter wurde schnell ein neuer Bus inklusive Fahrer organisiert, der innerhalb von 45 Minuten eintreffen sollte. Wir wärmten uns in der Eingangshalle auf und warteten geduldig. Großes Lob an die Kinder: kein Gemecker, keine schlechte Laune – stattdessen nette Gespräche und gute Stimmung. Um 9:30 Uhr ging es dann tatsächlich los – und zwar in einem schicken Ersatzbus: dem Mannschaftsbus der Basketballer von ALBA. Die Fahrt verlief entspannt. Die Kinder lasen, nutzten ihre Handys oder unterhielten sich. Nur der obligatorische Stau auf Berlins Autobahnen ließ nicht lange auf sich warten, aber auch hier half wieder unsere bewährte Weisheit (siehe oben).
Gegen 12 Uhr erreichten wir – nach weiteren kleinen Staus – das Leipziger Messegelände. Treffpunkt und -zeit wurden vereinbart, ebenso die Regel, sich mindestens in Dreiergruppen zu bewegen: einer verletzt sich, einer bleibt beim Verletzten, einer holt Hilfe. Anfangs gab es kleine Diskussionen bei der Gruppeneinteilung, aber das Angebot, sich notfalls den „älteren Herren“ anzuschließen, beschleunigte die Entscheidungsfindung deutlich. Treffpunkt war um 16 Uhr – und so standen wir Erwachsenen bald allein da und machten uns ebenfalls auf den Weg durch die Messe. Ganz entspannt. Nach etwa 30 Minuten klingelte mein Telefon: „Wo ist Halle 1?“ Später sah ich weitere verpasste Anrufe, Rückrufe blieben unbeantwortet – also offenbar alles in Ordnung. Die meisten Kinder zog es vermutlich in die Manga-Halle 3. Dort staunten sie über aufwendig verkleidete Besucher: Männer und Jungen mit Schwertern, Mädchen und Frauen mit roten Perücken, dazu allerlei Figuren aus Anime-Serien, Monster und Fantasiewesen. Ich beschloss spontan, bei der nächsten Buchmesse im Bademantel, mit Flip-Flops und Socken, Plastikschwert und Langhaarperücke aufzutauchen.
Dann kam doch noch ein Moment pädagogischer Verantwortung: Ein Anruf von der Kinderstation der Messe. Zwei Kinder hatten ihre Gruppe verloren – und kein Handy dabei. Die beiden hatten jedoch genau richtig gehandelt, sich an die Information gewandt und waren zur Kinderstation gebracht worden. So viel zur angeblich hilflosen Jugend. Frau Britt wurde informiert, wir trafen uns vor Ort, unterschrieben – und bekamen die Kinder wohlbehalten zurück. Am Treffpunkt kamen uns dann nach und nach lächelnde Kinder entgegen, ausgestattet mit Büchern, Schwertern, Dreizacken und Kuscheltieren – alle glücklich und zufrieden. Gegen 16 Uhr begann der klassische Stressmoment jeder Klassenfahrt: Sind alle da? Wer fehlt? Wer sucht wen? Doch diesmal: kein Stress. Alle waren pünktlich, präsentierten stolz ihre Errungenschaften und nach einem kurzen Toilettenstopp saßen wir um 16:30 Uhr wieder im Bus.
Auch auf der Rückfahrt gab es wieder Stau – aber wir blieben unserer Philosophie treu. Die Fahrt im schicken ALBA-Bus verlief angenehm, der Fahrer war sehr freundlich und um 19 Uhr kamen wir wieder am Lauenburger Platz an.
Ein großes Lob an die Kinder, an Frau Britt und Frau Keller, die ihren pädagogischen Auftrag hervorragend erfüllt haben. Diese oft zitierte Jugendschelte erscheint nach so einem Tag doch stark übertrieben. Es gab nette Gespräche, geteilte Süßigkeiten und insgesamt eine wirklich schöne Atmosphäre.









